Gastbeitrag von Dr. phil. Ralph Piotrowski über die Frage, wann eine Paartherapie sinnvoll und vor allen Dingen erfolgversprechend ist.

Die Komik und Wahrheit liegen oft nah beieinander. Dies zeigte auch der berühmte Comedian Hape Kerkeling, als er in einer seiner zahlreichen Rollen verkündete: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!” Die Voraussetzung für eine glückliche und vor allem dauerhafte Beziehung ist ganz eindeutig, dass beide Partner*innen bereit sind, eben jene Arbeit zu investieren. Bedeuten kann diese Bereitschaft, dass man an eigenen Verhaltensweisen arbeitet, aber auch, dass man sich wieder auf jene Dinge besinnt, die den Anfang der Beziehung so zauberhaft und intensiv gemacht haben. Wenn Paare für sich das Gefühl haben, nicht mehr das Feuer des Verliebtseins zu fühlen, so kann eine Paartherapie die Beziehung retten.

Dieser Gastbeitrag setzt sich in erster Linie mit der Fragestellung auseinander, in welchen Fällen der Gang zum Paartherapeuten oder zur Paartherapeutin zu empfehlen ist. Dabei werden Voraussetzungen und Ziele, die mit einer gelungenen Paartherapie einhergehen, analysiert.

In welchen Fällen wird eine Paartherapie notwendig und sinnvoll?

Nahezu jeder von uns hat schon einmal erlebt, dass die Gefühle, welche zu Beginn einer Beziehung so intensiv sind und nie zu enden scheinen, nach einigen Jahren, manchmal gar nach wenigen Monaten, zum Erliegen kommen und ihre Stärke verlieren. Die Gründe dafür können sehr verschieden sein. Hierzu kann die Konzentration auf die berufliche Weiterentwicklung gehören, die von einem Partner/ einer Partnerin intensiv betrieben und vom anderen Teil der Beziehung mit Argwohn beobachtet wird. Auch persönliche Schicksalsschläge in der Familie eines Teils der Beziehung können dazu führen, dass jener Teil vieles im Leben hinterfragt, wozu auch die laufende Beziehung gehören kann.

Noch komplexer wird das Ganze, wenn ein anderer interessanter Mensch in das Leben eines Partners oder einer Partnerin getreten ist. All diese Punkte und selbstredend auch viele weitere, können die intensive Arbeit an der Beziehung notwendig und sinnvoll machen. Die Voraussetzung dafür, dass diese Arbeit in Form einer Paartherapie erfolgen kann, ist zunächst einmal die Bereitschaft des zweifelnden Partners oder der zweifelnden Partnerin, sich dem Partner/ der Partnerin zu öffnen und seine Gedanken zu offenbaren.

Frau und Mann sitzen nach einem Streit mit dem Rücken zueinander.
Auseinandersetzungen bzw. Streit gehören zu jeder Partnerschaft dazu. Entscheidend ist dabei, sich dem Partner/ der Partnerin nicht zu verschließen und seine Gedanken zu teilen. © depositphotos.com

Was hier so einfach geschrieben und gelesen ist, erfordert in vielen Fällen eine Menge Mut und Überwindung. Zu groß ist die Angst, seinen einst geliebten Freund*in oder Ehepartner*in zu verletzen.

Die Bereitschaft sich dem anderen zu öffnen, ist ein entscheidender Schritt

Hat der Partner/ die Partnerin diesen Schritt gewagt, so entstehen beim anderen Teil der Beziehung in vielen Fällen zahlreiche verschiedene Gefühle und Gedankengänge. Diese können sich in Selbstzweifeln, Wut, Angst, Trauer und Trotz äußern. Nur allzu verständlich erscheint diese Reaktion, wenn man bedenkt, welche Verletzung mit einem solchen Gespräch einhergehen kann. Die wichtigste Voraussetzung für eine nun mögliche Paartherapie ist jene, dass beide Partner*innen bereit sind, an der Beziehung oder Ehe zu arbeiten und diese erhalten wollen. Einen Lebenspartner/ eine Lebenspartnerin zur Paarberatung zu schleppen, welcher von jener Form der Gespräche nichts hält sowie eventuell gar nicht gewillt ist, an sich und der Beziehung zu arbeiten bzw. zu erhalten, wird nur in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt sein.

Mann und Frau reden ernsthaft miteinander über Probleme und sitzen am Tisch mit Kaffeetassen in der Hand.
Es ist wichtig, seine Gedanken und Gefühle in einer Parnerschaft miteinander zu teilen. © depositphotos.com

Welche Voraussetzungen sind für das Gelingen einer Paartherapie vorgeschaltet?

Die wichtigste Voraussetzung, welche für eine gelungene Paarberatung vonnöten ist, wurde bereits im vorausgegangenen Abschnitt erläutert. Nur wenn beide Partner*innen bereit sind, an der Beziehung und sich zu arbeiten sowie gewillt sind, die Beziehung fortzuführen, macht eine Paarberatung Sinn und sie kann zum Erfolg führen. Eine weitere sehr wichtige Voraussetzung ist die, dass beide Partner*innen überhaupt die Notwendigkeit einer Paartherapie erkennen und verstehen.

Frau und Mann kuscheln auf dem Sofa.
Wichtigste Voraussetzung einer Paartherapie: Der Wille beider Partner*innen weiterhin zusammen sein zu wollen. © depositphotos.com

Wer sich schon einmal damit auseinandergesetzt hat, inwieweit Menschen typischerweise auf Probleme und auftretende Fragestellungen in ihrem privaten Leben reagieren, der weiß, dass die Verdrängungsmethode von vielen Menschen innerhalb einer Beziehung bewusst oder unbewusst angewandt wird. Sollte einer der beiden Partner*innen das Problem nicht sehen oder nicht sehen wollen, so hat eine Paarberatung nur sehr geringe Aussichten auf Erfolg, da es bereits an der Voraussetzung scheitert, dass beide gewillt sind, ihre Beziehung zu verbessern und zu verändern.

Sich selbst hinterfragen und reflektieren

Ebenso relevant ist die Bereitschaft, beider Beziehungsbeteiligten, neben der berechtigten Kritik an bestimmten Verhaltensweisen, auch ihr eigenes vergangenes Leben innerhalb der Beziehung kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. Eine weitere und oft unbeachtete Voraussetzung ist, dass das Paar im Vorfeld einer Paarberatung versucht hat, eigenständig die aufgetretenen Probleme zu lösen und in den Griff zu bekommen. Nur dann ist beiden Parteien klar, dass es sich um eine ernste Krise innerhalb der Ehe oder Partnerschaft handelt, für die es sich lohnt, bei der es aber auch notwendig ist, professionelle sowie erfahrene Hilfe zu suchen. Im nun folgenden Abschnitt werden die Ziele einer Paartherapie genauer beleuchtet und analysiert.

Welche Ziele kann eine Paarberatung verfolgen?

Viele Menschen, die noch nicht in Kontakt mit Paartherapien gekommen sind, werden dieser Frage ihre Berechtigung absprechen und sagen, dass es ganz klar ist, welches Ziel eine Paartherapie verfolgt. Es muss die Erhaltung und Fortführung der Beziehung oder Ehe sein. Im Prinzip haben diese Menschen recht und das genannte Ziel steht über den Teilzielen, welchen wir uns im Abschnitt unseres Blogbeitrages widmen wollen.

Diese Teilziele könnten wir auch als grundlegende Voraussetzungen bezeichnen, die erfüllt sein müssen, damit das genannte Hauptziel, also der Erhalt der Beziehung oder Ehe, überhaupt erreicht werden kann. Teilziele innerhalb einer Paarberatung können sehr verschieden sein. Sie hängen zunächst einmal eng damit zusammen, welcher ursprünglich aufgetretene Konflikt dazu geführt hat, dass das Paar oder die Eheleute sich für eine Paarberatung entschieden hat. Bei Eheleuten, die sich nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes emotional entfremdet haben, weil sie nur mehr eine Organisationsgemeinschaft waren und nicht mehr das vorher verliebte Paar, werden die Teilziele anders aussehen als bei einem Paar, in welchem ein Partner/ eine Partnerin den anderen mit einem anderen Menschen betrogen hat.

Zu den häufigsten Teilzielen, die innerhalb einer Paartherapie wichtig sind, gehören beispielsweise die Fähigkeit, einander wieder richtig zuzuhören, sich gemeinsame Zeiten im oft stressigen Alltag zu schaffen, wieder zu entdecken, was den anderen Teil der Beziehung einmal so besonders gemacht hat oder auch die Fähigkeit zu entwickeln, im Konflikt ohne pauschalisierende Vorwürfe auszukommen.

Mann und Frau packen gemeinsam einen Karton aus und lachen.
Eine Paartherapie kann Paaren dabei helfen, bewusst gemeinsame Zeit zu verbringen, fernab vom stressigen Alltag, und so die schönen Seiten einer Beziehung neu bzw. wieder zu entdecken. © depositphotos.com

Gründe für eine Paartherapie auf einem Blick

Befragt man eine Vielzahl an Individuen, fällt auf, dass es meist die Frauen innerhalb der Beziehung sind, die eine solche Beratung anregen. Frauen gehen in der Regel kritischer mit sich selbst und ihren geführten Beziehungen um und sind auch eher dazu bereit, über Details nachzudenken sowie diese kritisch zu hinterfragen. Männer sehen kleinere Aspekte, die nicht dem Idealbild einer Beziehung entsprechen, häufig als einfach gegeben und geben sich mit dem vorhandenen Zustand eher zufrieden.

Das Erlahmen des körperlichen Interesses, reduziert sich typischerweise mit den Jahren, die die Beziehung andauert. Weitere häufige Auslöser und Gründe für eine Beratung, die Paare oder Eheleute in Anspruch nehmen, sind Seitensprünge eines Partners/ einer Partnerin oder in einigen Fällen gar beider Parteien der Partnerschaft oder Ehe. Auch vorhandene unberechtigte Eifersucht einer Partei oder der Mangel an gemeinsamen Interessen in der Freizeitgestaltung spielen für viele Paare eine Rolle, welche sich in einer Paarberatung wiederfinden und dort nach einer Verbesserung ihrer Partnerschaft suchen. Auch verschiedene Vorstellungen von der privaten oder beruflichen Zukunft können Beziehungen in tiefe Krisen führen und eine Beratung bzw. Therapie notwendig oder sinnvoll machen.