Gastinterview mit Dr. med. Philipp Behrendt, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in der Praxis Sentruper Höhe in Münster, zum Thema Nachhaltigkeit in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie.

Was hat Nachhaltigkeit mit der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie zu tun? – Auf den ersten Blick nicht viel. Der Begriff Nachhaltigkeit, der heutzutage überall aufzutauchen scheint, steht in erster Linie für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und für die Schonung natürlicher Ressourcen. Das ist notwendig, um auch zukünftigen Generationen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Wie passt das aber mit Schönheitsoperationen zusammen? Um das zu beantworten, haben wir uns mit Dr. Philipp Behrendt getroffen, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Münster.

Dr. Philipp Behrendt in seiner neuen Praxis Sentruper Höhe in Münster © Ines Heider

Herr Dr. Behrendt, Sie bieten in Münster seit 2014 verschiedene Behandlungen im Bereich der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie an. Wann sind Sie zum ersten Mal als Arzt in Berührung mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ gekommen?

Dr. Behrendt: Ich bin durch meine Familie schon sehr früh hinsichtlich Nachhaltigkeit geprägt worden. Die Familie meiner Mutter hatte einen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem Geben und Nehmen immer im Einklang mit der Natur stand. Dort wurde schon früh auf nachhaltige Landwirtschaft geachtet. Dies hat mich bis heute geprägt.

„Nachhaltigkeit bedeutet Ökologie, Ökonomie und Soziales zu verbinden.“

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie für Sie?

Dr. Behrendt: Für unser Team bedeutet „Nachhaltigkeit“ in der ästhetischen Chirurgie, die Ökologie, die Ökonomie und Soziales zu verbinden. Wir gehen innerhalb unserer Praxis mit den Ressourcen sehr schonend um. Dies gilt sowohl für die Eingriffe bei Patienten als auch für den Umgang mit den Utensilien innerhalb der Praxis. Wir arbeiten fast ausschließlich mit Unternehmen zusammen, die auf Nachhaltigkeit innerhalb ihres Unternehmens Wert legen und dies auch wegweisend voranbringen. Auch wir entwickeln und verbessern uns täglich und gehen immer wieder neue Wege zur Verbesserung unserer Nachhaltigkeit.

Beim Umzug in die neue Praxis Sentruper Höhe wurde bewusst auf Einbauten verzichtet. Alle Möbellieferanten haben uns vorab einen Nachhaltigkeitsreport zukommen lassen. Wir haben in unserem persönlichen Plan für die Praxis ca. 20 Punkte, die wir schrittweise verändern wollen. Einer der Punkte innerhalb der Praxis ist z.B., dass wir kein „Einmal-OP-Besteck“ verwenden. Wir arbeiten aktiv mit einer Medizintechnik-Werkstatt zusammen und lassen unser OP-Besteck immer wieder professionell aufbereiten.

Wir alle fahren mit dem Fahrrad zur Praxis und nicht mit dem Auto. Es gibt zudem auch viele kleine Dinge, wie die Mülltrennung innerhalb der Praxis oder die Versorgung mit „grünem“ Strom, auf die wir Wert legen. Außerdem prüfen wir gerade unterschiedliche Nachhaltigkeitssiegel, um eine CO2-Neutralität zu erreichen.

„Nachhaltigkeit“ in der Plastischen Chirurgie legt den Schwerpunkt auf innovative Verfahren, die dem Patienten ein optimales und dauerhaftes Operationsergebnis liefern und zu möglichst keinen oder wenigen Komplikationen führen. Gerade bei Brustoperationen wie der Brustvergrößerung gibt es verschiedenste Methoden und Ansätze. Worauf achten Sie bei einer Behandlung?

Dr. Behrendt: Gerade bei der Brustchirurgie gibt es unterschiedliche Verfahren. Als Operateur versuche ich so gewebe- und körperschonend wie möglich zu agieren. Mein Hauptziel ist es, den Körper möglichst wenig zu „stressen“ und sehr bedacht zu operieren – so natürlich wie möglich.

Was macht einen Eingriff in der Plastischen Chirurgie „nachhaltig“?

Sie sind vor allem auf Brustoperationen spezialisiert. Was macht einen solchen Eingriff „nachhaltig“? Worin besteht der Unterschied zu anderen Verfahren?

Dr. Behrendt: Wir nutzen mikrotexturierte Implantate der neusten Generation. Diese zeichnet eine sehr geringe Komplikationsrate (Kapselfibrose) aus. Wir minimieren damit nachhaltig das Risiko einer Revision. Außerdem ist es meine Philosophie, nicht zu große Implantate zu nutzen. Alles sollte im Einklang mit dem Körper sein.

Dr. Behrendt berät eine Patientin die vor einer Brustvergrößerung.
Mikrotexturierte, hochwertige Implantate minimieren das Risiko einer Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung und tragen so zu einem nachhaltigen Ergebnis bei. © Ines Heider

Für ein langlebiges Ergebnis ist die Verwendung qualitativ hochwertiger Implantate sehr wichtig. Ist durch das von Ihnen eingesetzte Verfahren ein Austausch der Implantate in späteren Jahren seltener erforderlich?

Dr. Behrendt: Ich habe meine OP-Verfahren immer wieder nachhaltig verbessert und optimiert. Wir stehen im regen Austausch mit Brustzentren in Münster und Köln. Hier tausche ich mich immer wieder mit den Kollegen aus, um auch meine OP-Techniken zu perfektionieren. Wir setzen ausschließlich Implantate ein, deren Komplikationsrate extrem gering ist.

Eine gelungene, nachhaltige Brustvergrößerung zeichnet sich auch durch ein natürliches Ergebnis aus, mit dem die Patientin „vollkommen“ zufrieden ist. Wie gewährleisten Sie, dass die Vorstellungen Ihrer Patientinnen vom Ergebnis der Brustvergrößerung am Ende so umgesetzt werden können?

Die Vectra 3D-Kamera simuliert die möglichen Ergebnisse einer Brustvergrößerung am Patienten.
Mithilfe der Vectra 3D-Kamera können die Möglichkeiten einer Brustoperation schon im Vorfeld simuliert werden. Sie helfen Arzt und Patientin*in das erwartbare Resultat einzuschätzen. © Ines Heider

Dr. Behrendt: Wir setzen rein generell auf Natürlichkeit bei der Brustvergrößerung. Um ein Optimum bei der Beratung zu erreichen, setze ich fast immer auch die Vectra 3D-Kamera ein. Hierdurch kann der Patient sehr genau am eigenen Körper erkennen, welche Veränderungen möglich sind. Wir nehmen uns in der Beratung lange Zeit, um alle Fragen umfassend zu besprechen.

Wann raten Sie Ihren Patientinnen von einer Brustvergrößerung ab?

Dr. Behrendt: Wenn ein unmittelbarer Kinderwunsch besteht oder eine Schwangerschaft vor kurzem bestanden hat, macht eine Operation noch keinen Sinn. Außerdem sollte das Brustwachstum komplett abgeschlossen sein.

Auch im Praxisalltag wird auf Nachhaltigkeit geachtet

Auch in Ihrem Praxisalltag bleibt das Thema „Nachhaltigkeit“ nicht unberücksichtigt. Sie schreiben auf Ihrer Seite, dass Sie u.a. Wert auf die Reduzierung von Papier legen. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Dr. Behrendt: Ja sehr gerne. Auch für uns ist dies ein Weg im täglichen Praxisalltag. Wir nutzen z.B. für die Patientenaufklärung ein iPad und beraten den Patienten damit „paperless“. Zudem reduzieren wir die Papierflut, indem wir alle Rechnungen von Lieferanten digital bekommen. Langfristig möchten wir die Patientenberatung komplett „paperfree“ garantieren – bis hin zur Operation. Es ist allerdings noch ein kleiner Weg, um dies umzusetzen. Außerdem werden wir im Frühjahr komplett auf nachhaltiges Papier innerhalb der Praxis umsteigen.

Patientin füllt am Empfang die Patientenerklärung auf einem ipad aus. So trägt die Praxis Sentruper Höhe zur Nachhaltigkeit bei.
Um auch den Praxisalltag nachhaltig zu gestalten, setzt die Praxis Sentruper Höhe auf moderne Technik. So wird die Patientenaufklärung z.B. schon „paperless“ gestaltet. © Ines Heider

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Was denken Sie, welchen Einfluss das Thema Nachhaltigkeit in der Plastischen Chirurgie in den kommenden Jahren haben wird? Welche Erwartungen haben Sie persönlich?

Dr. Behrendt: Ich denke, dass nachhaltiges Leben und Handeln immer wichtiger werden. Mein Ziel innerhalb der Medizin ist es, bestehende Regeln zu überdenken, wenn dadurch die Nachhaltigkeit gesteigert und ökologisches Handeln verbessert wird.