Ein Gastinterview mit Dr. Luise Berger über die Schamlippenverkleinerung.

Einen schönen Guten Tag, Frau Dr. Berger. Viele Frauen wünschen sich in der heutigen Zeit schönheitschirurgische Behandlungen. Am besten jedoch ohne eine aufwendige Operationen und zu lange Ausfallzeiten. Frau Dr. Berger, hat die Anzahl der Schamlippenverkleinerungen in den letzten Jahren zugenommen?

Dr. Luise Berger: Auf jeden Fall! Ich habe beobachtet, dass sich zunehmend mehr Frauen einer Korrektur der Labien unterziehen. Sicherlich hat dies mit dem in den letzten Jahren offeneren Umgang mit Sexualität in den Medien, im TV, Internet oder bei Instagram, zu tun. Für mich zeichnet sich jedoch auch eine Emanzipation von Frauen ab. Frauen schämen sich nicht mehr für Ihre Bedürfnisse, sie sind unabhängig und finanziell nicht mehr auf einen Mann angewiesen. Frauen lassen die Behandlung übrigens nicht durchführen, um einem Mann zu gefallen. Ganz im Gegenteil! Frauen tun das allein für sich. Sie wollen sich in ihrem Körper wohl fühlen, nicht mehr und nicht weniger. Ich finde, das ist eine tolle und gesunde Entwicklung. Es mag sein, dass die Intimchirurgie für einige Menschen immer noch ein Tabuthema darstellt, aber das dürfte bald der Vergangenheit angehören.

„Eine Beratung von Frau zu Frau löst Hemmungen“

Wie schaffen Sie es, dass Ihre Patientinnen sich bei Ihnen wohlfühlen und über Ihre intimen ästhetischen Probleme sprechen?

Dr. Luise Berger: Meine Mitarbeiter/innen sind äußerst einfühlsam und haben viel Erfahrung im Umgang mit sensiblen Themen. Im persönlichen Beratungsgespräch kann ich den Patientinnen rasch ihre Hemmungen nehmen. Sie merken sofort, dass ich nichts „Peinliches“ an ihrem Anliegen finde. Sicherlich liegt es daran, dass ich jede Woche viele Frauen bezüglich einer Verkleinerung der Labien berate und operiere. Unabhängig davon, finde ich den Wunsch nach einem ästhetischen Intimbereich und einem Leben ohne Beeinträchtigungen durch lästiges Einzwicken der inneren Labien absolut nachvollziehbar und richtig. Dafür sollte sich keine Frau schämen. Ich finde es wichtig, dass ihnen bewusst ist, dass sie mit derartigen Beschwerden keine Ausnahme sind. Operationen im Intimbereich werden heute immer häufiger nachgefragt und durchgeführt.

Intimoperationen wie die Schamlippenverkleinerung können für für mehr Wohlbefinden der Frau im eigenen Körper sorgen.
Frau Dr. Berger hat viel Erfahrung bei der Beratung Ihrer Patientinnen zur Verkleinerung der Labien. © Depositphotos.com

Gibt es eine Altersgrenze für eine Schamlippenkorrektur?

Dr. Luise Berger: Für eine intimchirurgische Operation muss die Patientin im Allgemeinen mindestens 18 Jahre alt sein. In medizinisch notwendigen Fällen kann der Eingriff jedoch schon eher durchgeführt werden. Nach oben hin gibt es keine Altersgrenze. Auch Frauen mit weit über 60 Jahren wünschen sich heutzutage oft eine Schamlippenverkleinerung.

Frau Dr. Berger, welche Merkmale hat ein seriöser Plastischer Chirurg und auf was sollten Patientinnen vor einer operativen Behandlung achten?

Dr. Luise Berger: Für Patientinnen ist es ratsam, sich darüber zu informieren, dass sie von einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit Spezialisierung im Bereich der Intimchirurgie behandelt werden. Patientinnen können dies an der Zugehörigkeit zu entsprechenden Fachgesellschaften erkennen, wie der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, kurz DGPRÄC, oder der Gesellschaft für Ästhetische und Rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland, kurz GAERID. Abgesehen von einer qualifizierten Ausbildung sollten Patientinnen unbedingt erfragen, welche medizinischen Erfahrungen in Bezug auf den Eingriff vorhanden sind und wie häufig und regelmäßig solche Operationen praktiziert werden.

„Meine Patientinnen klagen über die Form der inneren Schamlippen“

Welche Beschwerden haben Ihre Patientinnen?

Dr. Luise Berger: Meist kommen Patientinnen zu mir, die mit der Form oder der Größe ihrer inneren oder äußeren Labien nicht zufrieden sind. In den überwiegenden Fällen sollen jedoch eine Verkleinerung der inneren Schamlippen und eine Straffung des Klitorismantels durchgeführt werden. Zu lange, heraushängende innere Labien werden oft nicht nur als unästhetisch empfunden, sie verursachen meist auch Schmerzen beim Sport, insbesondere beim Radfahren und Reiten, beim Tragen enganliegender Kleidung und beim Sex. Es kommt zu wiederkehrenden Reizzuständen, Einrissen der Labien und Schmerzen, was sehr belastend sein kann.

Zeigen Sie Ihren Patientinnen Vorher-Nachher-Bilder selbst bei solch einem intimen Eingriff?

Dr. Luise Berger: Unbedingt! Ich möchte, dass meine Patientinnen genau wissen, was in ihrem Fall realisierbar ist, und was nicht. Patientinnen können sich in meiner Praxis ein Buch mit vielen Vorher-Nachher-Fotos ansehen. Dies hilft ihnen die Operationstechnik besser zu verstehen. Anhand der Bilder können sie sich außerdem die Entwicklung des Resultats nach einer Operation im zeitlichen Verlauf ansehen. Bis zur vollständigen Heilung benötigt der Intimbereich mindestens drei bis sechs Monate.

„Die Sensibilität der Vagina bleibt erhalten“

Verständlicherweise haben viele Frauen Angst vor einem Eingriff im Intimbereich, da das sexuelle Lustempfinden  gestört werden könnte. Ist diese Angst begründet?

Dr. Luise Berger: Wenn ich Sorge hätte, ich könnte mit dem Eingriff die Sensibilität der weiblichen Intimregion ernsthaft gefährden, würde ich den Eingriff nicht anbieten. Natürlich ist die Kenntnis der weiblichen Anatomie eine Grundvoraussetzung für die sichere Durchführung einer Labienkorrektur. In den Händen eines erfahrenen Plastischen Chirurgen ist die Gefahr einer dauerhaften Schädigung der Sensibilität verschwindend gering. Natürlich benötigt der Körper nach einer Schamlippenkorrektur etwas Zeit, damit die postoperativen Schwellungen und Gefühlsstörungen heilen können.

Viele Patientinnen berichten nach kompletter Abheilung von einer deutlichen Verbesserung ihrer Sexualität, einerseits verursacht durch eine höhere Empfindlichkeit der Klitoris aufgrund der Beseitigung des Hautüberschusses, andererseits durch die Fähigkeit viel unbefangener und ungehemmter beim Sex sein zu können. Einfach, weil sie sich wohl in ihrem Körper fühlen!

Wie Sie sicher nachempfinden können, reagieren Frauen besonders empfindlich auf Narben. Bleiben nach dem Eingriff Narben zurück?

Dr. Luise Berger: Erfreulicherweise ist die Narbe im Intimbereich so gut wie nicht zu erkennen. Die Haut der Schamlippen ist eine Art Übergangshaut zwischen Schleimhaut und „normaler“ Haut und heilt daher deutlich besser ab. Selbst Gynäkologen erkennen meist keine Narbe nach einer gelungenen Korrektur. Individuelle Unterschiede sind natürlich möglich.

Frau Dr. Luise Berger, haben Sie vielen Dank für das informative Gespräch.